DRHV II bezwingt Spitzenreiter Landsberger HV mit 26:20
13. Sieg in Serie Erstellt am 21.02.2010 - 20:56 Uhr
von The Great Pretender
Die zweite Mannschaft des DRHV darf weiter von der Meisterschaft träumen. Beim Spitzenspiel gegen den Tabellenführer aus Landsberg setzten sich die Doppelstädter am Ende hoch verdient mit 26:20 durch und bleiben den Gästen im Nacken hängen.
Dass es für beide Teams um eine Menge ging, zeichnete sich schon in den ersten Minuten ab. Da versiebten beide Angriffsreihen reihenweise ihre Möglichkeiten. Der DRHV-Motor stotterte wohl auch, weil Rückraum-Shooter Alisch fast das gesamte Spiel über einen persönlichen Bewacher an der Seite hatte und so seine Wurfgewaltigkeit selten unter Beweis stellen konnte.
Den Knoten platzen ließ in der 5. Minute dann Manuel Abé per Siebenmeter zur 1:0-Führung. Doch auch danach entwickelte sich mehr ein Krampf, als ein schön anzusehendes Handballspiel. „Das war heute bestimmt nichts für Handball-Gourmets,“ attestierte auch Rösike nach der Partie. Die Gäste, mit dem ehemaligen Dessauer Marco Bergelt angereist, versuchten über Härte im Abwehrverbund immer wieder ins Spiel zu finden. Davon ließen sich die Gastgeber auch sehr lange beeindrucken. Immer wieder glichen die Bemühungen in der Offensive eher Verzweiflungstaten, als wohl durchdachten Handball. Wenn sich dann doch einmal die Lücke zum Torwurf öffnen sollte, scheiterten beide Teams an den beiden überragenden Spielern auf der Platte: den Torhütern. Allein 15 Paraden sollte Florian Hempel am Ende zählen können. Eine starke Leistung des 19-jährigen erkannte auch sein Lehrmeister Rösike an: „Er hat uns in den entscheidenden Momenten im Spiel gehalten und Landsberg den Schneid abgekauft.“ Was auf der einen Seite positiv anzumerken ist, gab es auf der anderen Seite jedoch deutlich zu kritisieren. „Unsere Chancenverwertung war eine mittlere Katastrophe. Was wir alles weg gelassen haben, reicht normalerweise für zwei Spiele,“ so Rösike nach dem Spiel. Die Hände über den Kopf zusammen schlug der Trainer erstmals in der siebten Minute, als sowohl Marco Wetteborn, als auch Thomas Wiegel zwei klare Einwurfmöglichkeiten ungenutzt ließen. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Rösike mit der Offensive seines Teams hadern sollte.
An diesem Sonntag war das eben kein normales Spiel gewesen. Nachdem in der neunten Minute Manuel Abé zum 3:3 ausglich, setzte es im darauf folgenden Angriff des DRHV gleich zwei Zeitstrafen für die Gäste. Nun sollte man meinen, dass dies einem Team genug Freiraum im Spiel gibt. Dies war in diesem Moment jedoch weit gefehlt. Anstatt das Spiel breit zu machen, vertendelte man den Ball und ermöglichte es den Gästen wieder in Führung zu gehen. Die Nervosität im Spiel des DRHV war allgegenwärtig. „Sowas kann man niemals vollkommen abstellen und ist völlig normal, dass der Druck einen anfangs gewissermaßen lähmt,“ zeigt sich Rösike jedoch verständnisvoll über die Anfangsphase seines Teams. Doch man sammelte sich dann und nutzte die entstandenen Überzahlsituationen aus. Bis auf 7:4 konnten sich die Bauhausstädter absetzen, während Landsberg gleich zwei Siebenmeter liegen ließ. Sicherheit gab dies dem Spiel des DRHV jedoch noch nicht. Nach 24 Minuten dann wieder ein Bruch im Spiel der Heimmannschaft. Es häuften sich technische Fehler und unmotivierte Würfe, was Landsberg zum Tore werfen geradezu einlud. Beim 9:9 war der DRHV wieder eingeholt. Wieder in Überzahl agierend ließen sich die DRHV-Akteure wieder düpieren und kassierten noch zwei Gegentreffer. Kurz vor der Halbzeitpause sollte dann noch der Anschlusstreffer gelingen.
Die Stimmung während der Halbzeit in der Kabine bezeichnete Rösike nach dem Spiel als angespannt. „Man merkte den Jungs an, dass sie noch nicht richtig drin waren im Spiel und unsicher, wie es weitergehen sollte. Doch anscheinend habe ich die richtigen Worte gefunden,“ lacht Rösike im nachheinein.
Doch zunächst findet auch im zweiten Durchgang wenig Handball statt, dafür aber viel Kampf. Zuerst trifft es den absolut glücklos spielenden Steven Just, der ohnehin einen gebrauchten Tag angedreht bekam. Nur ein Tor gelang dem besten DRHV-Torschützen der laufenden Saison gegen Landsberg. Zwei Spiele in zwei Tagen zuvor steckten dem Youngster in den Knochen, dem es an allem fehlte. Von seiner gewohnten Spritzigkeit war nichts zu sehen. „Steven hat einen hohen Kraftaufwand betrieben und alles probiert. Aber auch solche Tage gibt es eben, damit soll er sich aber nicht so lange aufhalten,“ nimmt Rösike seinen Rechtsaußen in Schutz, dem am Sonnabend seine ersten drei Bundesligatore bei Bad Schwartau gelangen. Auch danach verging nicht mehr eine Minute, in der nicht mindestens eines der beiden Teams in Unterzahl spielen musste. Das lag jedoch nicht daran, dass es nur unfair auf dem Parkett zuging. Viel häufiger setzten die beiden Schiedsrichter, die ihre Linie auf beiden Seiten konsequent pfiffen, die Spieler aus disziplinarischen Gründen auf die Bank. Am Ende verteilten sie 25 Zeitstrafen(10x DRHV, 15x LHV) und insgesamt 14 Siebenmeter(9x DRHV, 5x LHV). „Es war eben eine äußerst kampfbetonte Partie,“ so auch die Meinung von Manuel Abé, der seine sechs Strafwürfe allesamt verwandeln konnte.
Die Führung zurück gewinnen konnte der DRHV erstmals wieder beim 14:13 in der 40. Minute. Den Ausgleich musste man postwendend hinnehmen. Das war jedoch das letzte Mal während der Partie. Ab der 40. Minute war es dann nur noch der DRHV, der mit spielerischen Elementen punkten konnte. Landsberg war von da an nur noch physisch auf dem Parkett anwesend und wollte weiter über eine konsequent vorgetragene Abwehrarbeit im Spiel bleiben. Dies unterbanden die Schiedsrichter jedoch bravourös. Unnötige Härten ließen sie auf keiner Seite aufkommen. Der DRHV hingegen profitierte von der nun überlegenen Physis. Beim 19:15 nahmen die Gäste zwar noch einmal eine Auszeit, aber die brachte nichts ein. Im Gegenteil. Der DRHV drehte weiter seine Kreise und konnte beim 22:16 sogar endlich auch selber einmal in Unterzahl durch Thomas Kirschstein treffen.
Daraufhin lagen bei den Gästen die Nerven völlig blank. Innerhalb von drei Minuten wurden zwei Akteure mit der dritten Zeitstrafe und der damit folgenden Disqualifikation belegt und einer durfte zusätzlich noch eine Zeitstrafe abbrummen. Wiederum nur eine davon wegen eines Fouls und die anderen beiden wegen Reklamierens. Auch hier liegt eines der Erfolgsgeheimnisse des 13. Sieges in Folge. Die Dessau-Roßlauer ließen sich von der Hektik selber nicht aus der Ruhe bringen und gingen auf keine Provokation des Gegners ein. „Wir haben unseren Stiefel am Ende souverän runter gespielt und uns nicht locken lassen. Das hat heute den Unterschied gemacht,“ freut sich auch Manuel Abé über den wichtigen Heimsieg.
Nun deutlich lockerer nutzte dies der DRHV aus und zog bis auf 24:17 knapp drei Minuten vor dem Spielende davon. Der Sieg war da bereits in trockenen Tüchern gewesen und die knapp 320 Zuschauer feierten teils den Sieg oder die noch vorhandene Tabellenführung. Den Schlusspunkt setzte mit der Sirene Marco Wetteborn zum 26:20 Endstand. Dass es Ende sechs Tore geworden sind, kann in der Endabrechnung noch immens von Bedeutung werden. Da der direkte Vergleich zwischen zwei Teams zählt, hätte der DRHV im Falle eines Punktgleichstandes am Ende der Saison aufgrund der besseren direkten Differenz die Nase vorn.Soweit denkt man in der Anhalt-Arena jedoch noch nicht. „Wir mussten das Spiel gewinnen und mein Team hat den Charaktertest bestanden. Mit Auszeichnung,“ lobt Rösike sein Team und lässt gleich eine Kampfansage Richtung des noch amtierenden Tabellenführers folgen: „Die haben jetzt den Druck und wissen, dass sie sich nichts mehr erlauben dürfen, denn sonst sind wir vorbei, wenn wir unsere Hausaufgaben immer machen.“ Und derzeit scheint es fraglich, wie man diesen DRHV in der Verbandsliga stoppen will. „Wir können uns nur selber schlagen und müssen ab jetzt noch konzentrierter von Woche zu Woche zu Werke gehen,“ mahnt Rösike sein Team vor Nachlässigkeiten. Die erste Hausaufgabe steht schon nächste Woche an, wenn Halle II in der Anhalt-Arena aufläuft.
So war die 13 letztendlich keine Unglückszahl für den DRHV. Viel mehr der Auftakt zu einer spannenden Schlussphase der Saison.