"Zwote" gewinnt 18. Spiel in Serie und bleibt trotzdem "nur" Zweiter Erstellt am 12.04.2010 - 22:29 Uhr von Peter Krause
Wie das Spiel bewertet werden konnte, sollte sich erst in der Halbzeit des Bundesliga-Spiels entscheiden. Da erreichte Trainer Rösike ein Anruf aus Landsberg, wo der Tabellenführer die Reserve von Einheit Halle empfing. Die Mimik änderte sich von Beginn bis zum Ende des Gesprächs nicht, aber eine Handbewegung reicht aus, um die Stimmung deutlich zu machen: ein nach unten zeigender Daumen. Der LHV gab sich, ebenso wie die Gastgeber in der Anhalt-Arena, keine Blöße und fertigte Halle locker mit 32:24 ab.
Einen Vorwurf muss man sich beim DRHV trotzdem nicht machen. Die eigenen Hausaufgaben erledigte man problemlos und schickte die Gäste deutlich mit 36:27 zurück über Elbe und Mulde. Doch die Chancen, doch noch Meister zu werden sind nun auf ein absolutes Minimum gesunken.
„Mehr, als unsere Spiele zu gewinnen, können wir auch nicht tun,“ gibt Rösike fast schon verzweifelnd an. Und damit hat sein Team seit nun mehr 18 Partien kaum Schwierigkeiten. Auch die Gäste aus Zerbst bestritten zwar im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein gutes Spiel, scheiterten jedoch an der Effektivität der Doppelstädter. 75% Wurfquote verbuchte man am Ende des letzten Heimspiels der Saison. Ein sensationeller Wert, der bei konsequenterem und konzentrierterem Spiel deutlich höher hätte ausfallen können. „Die technischen Fehler brachten uns heute um einen deutlicheren Sieg,“ findet auch Rösike ein Haar in der Suppe. 16 waren es am Ende gewesen. Sechs allein in der einzig hektischen Phase des Spiels, die wie aus dem Nichts kam.
6:2 stand nach neun Minuten auf der Anzeigetafel. Vier Tore davon allein durch Chris Alisch, der im Rückraum in der Anfangsphase walten konnte, wie er wollte. Die darauf folgende Manndeckung riss Lücken in der Abwehr der Gäste, die daraufhin von anderen Spielern genutzt werden konnten. Trotzdem wollte es nicht so recht gelingen, sich die Gegner vom Leib zu halten. Beim 10:8 war der HSV plötzlich wieder auf Tuchfühlung zu den Gastgebern, die darauf die Schlagzahl erhöhten und sich wieder etwas absetzen konnten. Zufrieden war Rösike damit jedoch nicht. „Uns hat viel zu oft der Zug zum Tor gefehlt und standen allzu passiv im Abwehrverbund,“ begründet er seine Auszeit in der 27. Minute, die ihre Wirkung nicht verfehlen sollte. Deutlich agiler dominierten die Dessau-Roßlauer das Spiel und konnten noch vor der Halbzeit die Führung bis auf 17:11 ausbauen.
Diese Dominanz zog sich bis zur 40. Minute. Der DRHV hatte den HSV im Griff und es sah nicht so aus, als wenn die Gäste noch mal zurück ins Spiel finden würden. Thomas Kirschstein schaffte das 23:14 und dieser Vorsprung wurde durch Steven Just beim 24:15 nochmals bestätigt. Dann kam die mit Fehlern gespickte Phase, die die Bauhausstädter noch mal in die Bredouille bringen sollte. Erst erhielt man innerhalb von 20 Sekunden zwei Zeitstrafen und kassierte innerhalb dieser kurzen Zeit zwei unnötige Gegentore, doch offenbarten sich aufgrund der nun offeneren Deckung der Gäste auch Lücken, die Kirschstein durch einen gelungenen Spielzug nutzte. Das 25:17 sollte jedoch für lange Minuten das letzte offensive Lebenszeichen des DRHV bleiben. Beim 25:21 zog Rösike daraufhin die Notbremse und schmiss die Grüne Karte auf den Zeitnehmertisch, um seine Jungs ins Gebet zu nehmen. Diese war auch bitternötig. Nach der bereits zuvor durchgeführten Manndeckung gegen Alisch kam nun auch eine kurze Deckung gegen Wirbelwind Kirschstein zum Tragen, mit der sich die Gastgeber äußerst schwer taten. Hinzu kam, dass man in der Abwehr „wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen“ zu Werke ging, fand Rösike deutliche Worte für seine Mannen. Nach der Unterbrechung fand der DRHV seinen Rhythmus wieder und konnte durch die Ex-Zerbster Wiegel und Schulz bis auf 28:21 erhöhen. Ein weiterer ehemaliger HSVer im Trikot des DRHV fand dann in der 50. Minute den Weg auf das Parkett. David Beckmann löste den im Tor wieder starken Florian Hempel ab und fügte sich nahezu nahtlos an die Leistung Hempels an. Kurz brenzlig wurde es lediglich noch mal beim 29:24. Doch dessen unbeeindruckt überstand der Tabellenzweite auch diesen Moment und setzte sein Spiel weiter fort. Auch eine Auszeit vom HSV brachte den DRHV nicht aus dem Spiel heraus. Die nun offensive Deckung und die damit einhergehenden Räume wurden genutzt und der Schlusspunkt war auch gleichzeitig der spielerische Höhenpunkt des gesamten Spiels. Quasi mit der Schlusssirene verwertete Chris Alisch nach Zuspiel von Thomas Kirschstein einen Wurf per Kempa-Trick.
So war es am Ende kein „schönes Spiel“, wie auch Rösike anmerkte, gleichwohl jedoch eine ansprechende Leistung und eine würdige Verabschiedung der Verbandsligasaison 2009/10 aus der Anhalt-Arena, in der die Dessau-Roßlauer alle ihre Spiele siegreich gestalten konnten.