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"Zwote" von den Wölfen gebissen
30:33-Niederlage im Spiel um die goldene Ananas
Erstellt am 19.04.2010 - 18:20 Uhr von Meat is Murder

Alles Rechnen, alles Überlegen und Abschätzen erledigte sich bereits Samstagnachmittag. Da gewann Tabellenführer Landsberg sein Spiel in Steuden mit 21:17. Die ohnehin geringe Chance noch Meister zu werden verflüchtigte sich. Entsprechend gelöst war die Stimmung während Abfahrt zum Auswärtsspiel nach Wolfen. „Wir konnten ohne Druck aufspielen und es hat in manchen Situationen die letzte Konsequenz gefehlt,“ so Rösike am Ende des Spiels. Die eher zurückhaltende Aussage durch den Trainer kommt aufgrund des Ergebnisses. 30:33 verlor die Bundesliga-Reserve an der Fuhne. Die erste Niederlage nach zuvor 18 Siegen in Serie. Nun ist der Ausgang kein Beinbruch für den DRHV. Durch den Landsberger Sieg und die bereits vor Wochen perfekt gemachte Vizemeisterschaft konnte sich in keinem Fall etwas an der Position ändern. Auch deshalb fällt das Fazit von Rösike nicht ausschließlich auf das Spiel zurück, sondern lobt noch mal die am Ende nicht ganz gekrönte Saison seiner Schützlinge: „Was wir erreicht haben ist schon sensationell. Es gab sicherlich an der einen oder anderen Stelle gerne mal Reibungspunkte. Aber genau das hat das Team in diesem Jahr auch ausgemacht. Wir sind immer als Mannschaft aufgetreten und ich bin verdammt stolz Trainer dieser Mannschaft sein zu können.“ Das Wir-Gefühl. Viel beschworen hat es Einzug in das Team gehalten. Dieser Sprung ist vielleicht noch größer anzusehen, als die in den letzten Monaten gezeigten Leistungen. Interessant wird nun zu sehen sein, wie sich das Team weiterentwickelt. Bei Steven Just und Chris-Richard Alisch läuft es wohl jeweils auf ein Leihgeschäft hinaus zu zwei derzeit in der Regionalliga vertreten Mannschaften. Aus Kühnau kommt bisher definitiv Oliver Lindner. Dazu kommt, dass der ein oder andere Namen vom Ortsrivalen in der Anhalt-Arena umherschwirrt. Auch die Rückkehr von Roy Schürhoff aus Wolfen steht zur Debatte. Das Team steht vor einem personellen Umbruch, der sich wohl auch leistungstechnisch zeigen wird. Mit Alisch und Just verlassen die beiden besten Torschützen das Team. Just ist in dieser Spielzeit sogar bester Torschütze der Verbandsliga Süd geworden. Der Linkshänder, der bereits Bundesligaluft schnuppern durfte, muss nun den nächsten Schritt machen und sich permanent in einer höheren Liga beweisen. „Er ist ein Juwel und muss jetzt weiter geschliffen werden. In Bestform ist er eine Bereicherung für jedes Team und hat definitiv Perspektive für die Bundesligamannschaft,“ lobt der Trainer den Rechtsaußen, der vor zwei Jahren noch im Trikot des SC Magdeburg auflief. Auch am Sonntag avancierte der 18-jährige wieder zum Top-Torschützen. Neun Treffer konnte Just erzielen und steigerte sich nach verhaltenem Beginn noch deutlich. Doch auch er konnte die Niederlage nicht abwenden. Über die gesamte Spielzeit wollte der DRHV-Motor nicht so recht in Gange kommen. Man merkte jedoch beiden Mannschaften an, dass es ein Spiel um die berühmte „goldene Ananas“ war, in dem Wolfen am Ende etwas mehr Biss an den Tag legte. Die HSG betrat das Parkett gleich mit drei ehemaligen Dessau-Roßlauern. Robert Hanke und Roy Schürhoff kannte man noch gut aus der letztjährigen Oberliga-Saison. Alexander Backes lief dereinst auch für die Bundesligamannschaft auf. Hinzu kam der in dieser Saison in der Regionalligamannschaft der HSG geschasste Stefan Blechschmidt, der die DRHV-Deckung oft vor schier unlösbare Probleme stellte. Beim 2:2 durch Alisch wirkten die Bauhausstädter noch gefestigt. Doch für den Rückraumshooter sollte es nach dieser vierten Minute das letzte Tor bis kurz vor Ende der Halbzeit bleiben. Darauf folgten neun Fahrkarten bis hin zur Halbzeitsirene. Allein daran zeigt sich die eher mangelnde Konzentration. Viel zu oft wurden sich Würfe aus eher überflüssigen Positionen genommen, die zur leichten Beute des Wolfener Torwarts wurden. Das gleiche Bild zeigte sich auch in der Abwehr. Auch dort griff man oft erst zu spät ein oder ließ die direkten Gegenspieler walten. Dass es trotzdem die gesamte erste Halbzeit eng zuging, war allein der Tatsache bedingt, dass auch die HSG eher fahrlässig mit ihren Chancen umging. So entwickelte sich zwar ein munteres Spielchen, das aber nichts für Handballästheten war, jedoch der Spannung bedingt interessant anzuschauen gewesen ist.

Immer wieder legte eines der Teams ein Tor vor, das jedoch immer wieder ausgeglichen werden konnte. Chancen zu einer deutlicheren Führung hatten beide Teams. Doch genau in diesen Situationen offenbarten sowohl der DRHV als auch die HSG offensive Magerkost. Der Ball flog teils überhaupt nicht Richtung Tor, sondern knallte auch schon mal neben dem Gehäuse an die Wand. „Wenn es nicht der letzte Spieltag gewesen wäre, hätte ich wohl für Montag ein nettes Konditionstraining angesetzt,“ lacht Rösike und ruft sein Team trotzdem nochmals zur Ordnung. „Da wir nicht wissen, wie es in den nächsten Wochen weitergeht, werden wir an unserem Trainingsplan erstmal nichts ändern,“ mahnt der Coach. Um zu entscheiden, ob es wirklich noch zur Relegation für die neu geschaffene Sachsen-Anhalt-Liga kommt, muss man erst noch das Ende der Regionalligasaison abwarten und wie sich die Absteiger, die nicht den Weg in diese Liga gehen wollen, sondern auf anderen Pfaden wandeln wollen, entscheiden. Es wird ein Geduldsspiel für die Doppelstädter werden.

Wie konfus beide Teams am Ende des ersten Durchgangs agierten, zeigt sich auch daran, dass man sich in der Summe sieben Fehlwürfe am Stück leistete. Das alles in nicht mal 90 Sekunden. Den Schlusspunkt, quasi mit der Halbzeitsirene, setzte Alisch, der auf 12:13 verkürzte.

Den Beginn der zweiten Hälfte verschlief der DRHV fast gänzlich. Schnell sah man sich mit 15:18 zurück liegen und so richtig kam man auch in der Folge nicht mehr an die HSG 2000 heran. Hatte man Chancen auf den Anschluss, wurden diese vergeben und auch beide Torhüter brauchten bis in die 52. Minute, um mal wieder einen Ball der Gäste zu entschärfen. Selbst eine Auszeit, die sich in den letzten Wochen gerne mal als Heilmittel für den stotternden Motor herausstellte, verpuffte an diesem Sonntag wirkungslos. 23:27 stand es sieben Minuten vor Spielende. Erst dann wachte der DRHV aus seinem kollektiven Tiefschlaf auf. Hempel hielt einen Konter und es folgte die für diesen Nachmittag wohl als sinnbildlich zu nehmende Aktion: der Torwart warf viel zu forsch einen Konterpass, der auf der anderen Seite lediglich den Weg ins Aus fand und nicht direkt zum Mitspieler. Laufen wollte eben einfach wenig. Auch die ab der 55. Minute angewendete Pressdeckung war nicht von Erfolg gekrönt. Zu unorganisiert wirkten die Doppelstädter, die zwar noch mal kurzzeitig auf drei Tore Anschluss fanden (58.), in der letzten Minute jedoch alle Hoffnung davonschwimmen sahen, als Wolfen wieder auf 28:32 erhöhte. Die verbleibenden 30 Sekunden nutzten die Dessau-Roßlauer lediglich noch mal für ein wenig Ergebniskosmetik. Am Ende sollte es also nichts werden mit dem angestrebten 19. Sieg in Serie. Doch entsprechend des Wetters war auch die Laune der DRHV-Akteure keinesfalls getrübt. Zu stolz ist man auf die gezeigte Leistung, als dass dieses eine Spiel dazu in der Lage wäre, die gesamte Saison in Frage zu stellen. „Wir haben uns als Absteiger wieder direkt in die Spitzengruppe etablieren können und haben unser selbst gestecktes Ziel erreicht. Jetzt heißt es nach vorne blicken und wieder kämpfen, damit es im nächsten Jahr noch besser läuft,“ resümiert auch Manuel Abé über die Spielzeit. Viel Platz nach oben ist indes nicht mehr. Die Aussage kann man nur so deuten, dass im neuen Jahr das Visier auf Platz 1 gerichtet wird. Die Chance doch noch über die Relegation in die Sachsen-Anhalt-Liga zu rutschen besteht zudem auch noch. Der Gegner für diese Partie steht seit Sonntag nun auch fest. Wacker Westeregeln verlor sein Gastspiel in Biederitz und konnte den Patzer des HV Wernigerode (27:27 in Haldensleben) nicht nutzen und würde im Falle der Relegation der Gegner des DRHV sein. Bis dahin sind es aber noch mindestens vier Wochen. Zeit genug auch, um die Blessuren zu überstehen, mit denen sich die Spieler rumplagen. „Wer verletzt ist, bekommt jetzt erst mal ein paar Tage Zeit, die Beine auszuruhen und den Fokus mal kurz vom Handball weg zu bewegen,“ räumt Rösike ein. Doch sobald alle zu klärenden Fragen beseitigt sind, bittet er sein Team wieder an die Grenzen. Doch auch Option zwei bleibt offen: es kommt zu keinen weiteren Spielen. „Dann,“ so der Trainer, „werden wir alle in den wohlverdienten Urlaub gehen.“ Zwei Wochen Geduld sind also mindestens noch gefragt. Danach zeigt sich, wohin der Weg der DRHV-Reserve letztendlich führen wird.



DRHV: Flo, Henne – Prof. Dr. Gesinge 2, Pocahontas 5, T. Omek 2, Oliven 9/3, VOLLert 2, Weigel 2, Schdulle 1, Mr Siebenmeter, Manü, Körsche 7
 
         
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